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17.05.2011

Wer Mut machen will, muss Mut haben (Interview mit Gerd Pieper)

Kinder, Krisen und Kommunen: Ein Gespräch zum 80-jährigen Jubiläum mit Gerd Pieper, Geschäftsführer der Stadt-Parfümerie Pieper, Deutschlands größtem inhabergeführten Parfümerieunternehmen.

2011 ist einfach sein Jahr: Am 14. Mai holt sich die Dortmunder Borussia die Meisterschale ab, zwei Tage später – am Montag, 16. Mai – feiert die Stadt Parfümerie Pieper ihr 80-jähriges Bestehen. Gerd Pieper, Geschäftsführer von Deutschlands größtem inhabergeführten Parfümerieunternehmen mit Sitz in Herne und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender bei Borussia Dortmund, hat wirklich allen Grund zur Freude. Wie die Meisterkicker aus Dortmund konnte auch der Herner Familienunternehmer mit den Söhnen Torsten und Oliver den eigenen Nachwuchs erfolgreich ins Team integrieren, um auch in Zukunft in der Champions League der Düfte mitzumischen. Im Interview spricht der 67 Jahre junge, vielfach ausgezeichnete Ausnahme Unternehmer aus dem Ruhrgebiet über Nachfolger, das Ruhrgebiet und die Zeit danach.

Frage: Herr Pieper, 2009 hat Ihr Unternehmen den „Deutschen Handelspreis“, die höchste Auszeichnung der Branche erhalten. In 115 Filialen arbeiten mehr als 1.200 Mitarbeiter, davon allein 140 Auszubildende aus 14 Nationen. Und da denken Sie ans Aufhören?
Gerd Pieper: Als Familienunternehmer denkt man langfristig. Man muss im richtigen Moment loslassen können. Wer mit 80 noch in der Firma ist, macht in der Regel etwas falsch. Ich habe mit 66 Jahren meine Nachfolge geregelt. Meine Söhne Torsten und Oliver werden mit verteilten Aufgaben das Haus in der vierten Generation führen.

Frage: Wie wichtig war Ihnen, dass Ihre Söhne ins Unternehmen eintreten?
Gerd Pieper: Torsten und Oliver sind zwei völlig unterschiedliche Charaktere, die auch ganz andere Berufe hätten anstreben können. Pfarrer, Architekt oder Busfahrer. Ich habe bei Ihnen nie den Eindruck erweckt, dass sie das Unternehmen übernehmen müssen. Irgendwann kamen sie und teilten mir ihre Entscheidung mit, in der Firma arbeiten zu wollen. Mein Kommentar war: Toll! Aber Ihr wisst ja, was das heißt: ein anderes Arbeiten, keine 40-Stunden-Woche, Verantwortung übernehmen und tragen. Das haben sie ernst genommen und wachsen nun seit einigen Jahren schrittweise ins Unternehmen ein.

Frage: Welchen Grundsatz haben Sie Ihren Söhnen auf dem Weg ins Unternehmen mitgegeben?
Gerd Pieper: Wir sind alle Teamplayer, und das Entscheidende für uns sind die Mitarbeiter. Nur sie können Umsatz machen, nur sie können zusätzlichen Umsatz machen. Erfolg haben wir, wenn wir Mitarbeiter an uns binden, die engagiert und motiviert sind. Die sich mit unseren Unternehmenszielen identifizieren und die sich für unser Haus begeistern können. Wie soll so etwas funktionieren, wenn man ständig Mitarbeiter abbaut? Während viele andere Unternehmen Stellen streichen und auf Kundenberatung weitestgehend verzichten, stellen wir zusätzlich Mitarbeiter ein und bilden zusätzliche Mitarbeiter aus – und das mit gutem Geschäftserfolg.

Frage: Der Handel hat schwere Jahre hinter sich. Trotzdem ist Ihr Unternehmen kontinuierlich gewachsen, auch in schweren Zeiten. Warum sind Sie dieses Risiko eingegangen?
Gerd Pieper: Wer Mut machen will, muss vor allen Dingen Mut haben. Krisen können nur vom Kopf her bewältigt werden. Ich muss daran glauben, dass es weitergeht. In dieser Beziehung bin ich ein typischer „Ruhri“. Ich empfinde Krisen als Herausforderung. Als 2008/2009 die Wirtschaft einen ihrer schwersten Einbrüche erlebte, wusste ich: Jetzt kommt’s drauf an. Jetzt müssen wir zeigen, ob wir gut sind. Und so haben wir in den Jahren 2008 und 2009 die höchsten Investitionen unserer Unternehmensgeschichte getätigt.

Frage: Das Kerngeschäft der Stadt-Parfümerie Pieper liegt im Ruhrgebiet. Die Region muss – trotz aller Marketing-Kampagnen für die „Metropole Ruhr“ – große Herausforderungen meistern, erst den Strukturwandel, nun den demografischen Wandel mit all seinen Facetten. Wie kann das gelingen?
Gerd Pieper: Die Wirtschaftsstruktur des Ruhrgebiets ist sehr heterogen und besteht zu 65 Prozent aus Dienstleistung. Ein Industriestandort sind wir schon lange nicht mehr. Schade finde ich, dass politisch Verantwortliche an ihren Posten kleben und eine „Metropole Ruhr“-Entwicklung verbauen, anstatt ein Gesamtgebilde entstehen zu lassen. Zurzeit sind daher die Gewinner die großen Städte, die kleinen aber haben es schwer. Köln und Düsseldorf kennt jeder. Wer aber kennt die Mittelstädte des Ruhrgebiets? Ich plädiere deshalb für eine Art Ruhrstadt – eine Stadt mit einer einheitlichen Struktur, die nach außen effektiver und nachhaltiger wirken kann, ohne die Individualität und Heimatqualität der einzelnen Städte und Gemeinden aufzugeben, denn danach verlangen die Menschen heute. Ich glaube an die Entwicklung der Städte, sie haben eine große Zeit vor sich. Jede Stadt – auch eine kleine – hat Chancen, wenn sie sich ihrer Stärken bewusst wird. Sie muss in ihre Stärken investieren und ein eigenes Profil schaffen. Sie muss die Identifikation der Bürger stärken und optimistisch sein. Sie muss an sich und an die Zukunft glauben – dann wird es gut werden.

Frage: Sie haben es bei der Feier Ihres 65. Geburtstags offiziell angekündigt: Mit 70 muss im operativen Bereich des Unternehmens Schluss sein. Wie werden Sie die „Zeit danach“ gestalten?
Gerd Pieper: Eines ist sicher: Mir wird es niemals langweilig werden, dafür habe ich einfach viel zu viel zu tun. Natürlich werde ich meinen Söhnen als Berater zur Verfügung stehen. Meine freie Zeit werde ich vor allem mit meiner Frau Gabriele nutzen. Ich werde zum Fußball gehen, regelmäßig joggen und das Deutsche Sportabzeichen machen – wie schon 50mal zuvor. Wir werden in unserem Haus häufiger liebe Freunde begrüßen, für die ich dann am Grill stehe, was ich sehr gern tue. Wir werden weit, lange und entspannt verreisen, denn es gibt noch so viele Orte auf dieser Welt, die wir gern sehen möchten. Einen Traum habe ich noch: möglichst nahe an den Südpol heran…

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