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13.11.2013

Schminkberatung: Ein Mann im Frauenberuf

Ziya Dindar ist der bisher einzige „Travel-Visagist“ bei der Stadt-Parfümerie Pieper.

Heute hat Ziya Dindar keine Kundinnentermine. Stattdessen kümmert er sich am Limbecker Platz in der Stadt-Parfümerie Pieper ausgiebig um die Auszubildende, Ina Weißbeck. Am eigenen Leib erfährt sie, wie verschiedene Make-Up-Schichten aufgetragen, Lippen und Augen optimal betont werden und welcher Teint zu welchem Look passt. Damit haben die beiden – mit kleinen Unterbrechungen – fast den ganzen Tag über zu tun. Normalerweise dauert das nicht ganz so lange. „In der Regel nehme ich mir rund eine Stunde Zeit für die Kundinnen“, sagt Dindar. In seinem Job als Travel-Visagist hat er keine männliche Klientel. „Bei Männern spielt Make-Up noch keine große Rolle“, weiß der 24-Jährige, der selbst morgens rund eine Stunde Zeit benötigt und ein leichtes, natürliches Make-Up trägt. „Männer besuchen eine Parfümerie eher, um Düfte zu kaufen. Entweder als Geschenk für eine Frau oder in Form von zum Beispiel After-Shave für sich selbst.“ Dabei verbringen sie meist auch nur wenig Zeit im Laden selbst, wissen genau, was sie kaufen wollen.

Travel-Visagist ist kein Lehrberuf und Ziya Dindar ist in der Stadt-Parfümerie Pieper mit ihren rund 120 Filialen der erste und bisher einzige Mitarbeiter mit dieser Mission. „Die Hersteller arbeiten schon länger mit diesem Konzept“, sagt er. „Aber sie promoten dann eben auch nur sehr einseitig die Produkte der Firma, für die sie unterwegs sind. Bei mir ist das anders, ich bin unabhängig.“ Angefangen hatte Dindar als Quereinsteiger im Verkauf. Zunächst als Aushilfe, dann mit Vollzeitvertrag in der Filiale Centro Oberhausen, später in Essen-Rüttenscheid. „Dort habe ich den Make-Up-Bereich besser kennen gelernt, wollte dann aber irgendwann nicht immer nur hinter dem Verkaufstresen stehen.“ Gemeinsam mit Vorgesetzten suchte Dindar nach neuen Herausforderungen und die Idee des Travel-Visagisten stieß bei der Inhaber-Familie auf offene Ohren. Seitdem reist der Sohn türksicher einwanderer druch NRW und besucht reihum die Pieper-Filialen. „Die bekommen etwa eine Woche vorher Bescheid und kümmern sich dann um die Termine für die Kundinnen.“

Dass er bei der Stadt-Parfümerie Pieper überhaupt eine Chance bekommen hat, dafür ist Ziya Dindar sehr dankbar. „Ich hatte mir zunächst Ausbildungswege ausgesucht, die dann doch nicht zu mir passten“, erinnert er sich. Aus Liebe zu Design und Innenarchitektur versuchte er es zunächst mit einem Abitur in Bau- und Holztechnik, doch die Realität ging hier weit an seinen eigenen Vorstellungen vorbei. „Ich habe dann eine Ausbildung zum Friseur begonnen, diese aber aus persönlichen Gründen nach sechs Monaten abgebrochen.“ Bei Pieper aber lebte Dindar voll auf und kommt daher auch bei den Kundinnen gut an. „Manchmal sind sie auch irritiert, dass plötzlich ein Mann vor ihnen steht, aber das legt sich dann recht schnell.“ Zumal Dindar eine sehr offene und direkte Art pflegt. „Meine Kundinnen und ich duzen uns, immerhin habe ich während der Beratung doch einen sehr engen Kontakt zu ihnen.“ Seinen Eltern kann er den „Mann im Frauenberuf“ nur sehr schwer erklären. Sie akzeptieren den Weg ihres Sohnes, richtig verstehen, was er beruflich macht, können sie aber nicht.

Ina Weißbeck hat an diesem Tag ihres zweiten Lehrjahres nicht nur Tipps für ihr eigenes Aussehen bekommen, sondern auch ein Stück mehr darüber gelernt, wie sie selbst Kunden in Make-Up-Fragen beraten kann. Ziya Dindar hingegen zieht weiter zur nächsten Filiale der Stadt-Parfümerie Pieper, in der er dann wieder für Kundinnen zum Make-Up-Pinsel greift.

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